Liubituwa

Dorfidylle am Ufer der Weißeritz
Text: Lars Uhlmann

Die Geschichte Löbtaus beginnt mit der Entstehung einer kleinen slawischen Siedlung, eines sogenannten Platzdorfes, an den Ufern der Weißeritz. Die Siedlung wird bereits im Jahr 1068 als Liubituwa erstmals schriftlich erwähnt und gehört zu den ältesten dokumentierten Orten im Elbtal.

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Liubituwa – Liebliche Aue – Löbtau

Der Ortsname ist wahrscheinlich von einem Namen slawischer Herkunft – die Leute des Lubeta – abgeleitet. Eine andere Vermutung lässt auch die Deutung als liebliche Aue zu. Weitere Urkunden sind aus den Jahren 1350, 1445 und 1468 erhalten geblieben.

In diesem Jahr 1068 vergab der deutsche König Heinrich IV. (1050–1106, mit sechs Jahren zum König und 1084 zum Kaiser gekrönt, im Investiturstreit um die Berufung des Bischofsamtes durch Laien und der Einführung des Zölibats durch Papst Gregor VII. mit Bann belegt und 1077, im Alter von 27 Jahren durch den berühmten Gang nach Canossa vom Bann befreit) zwei Hufen (1 Hufe etwa 12 ha) aus seinem Besitz an das Hochstift Meißen, bezeichnet als Belehnung zweier Königshufen. 12 Bauern erhielten das Land gegen Erbzins.

Am Dorfplatz von Altlöbtau blieben bis heute einige dieser Dreiseitenhöfe erhalten.

Wegen der Viehzucht auf dem Anger zwischen der heutigen Tharandter und der Zwickauer Straße wurde Löbtau damals auch spöttisch „Kuh-Löbte“ genannt. Die auf sumpfigen Grund lebenden Nachbarn mussten sich dafür entsprechend „Frosch-Cotta“ gefallen lassen.

Die Sächsischen Fürsten waren es, die ab dem 13. Jahrhundert gezielt den wirtschaftlichen Aufschwung Löbtaus förderten. Und weil die Weißeritz über ausreichend Wasserkraft verfügte – die sorbischen Siedler nannten sie anfangs Bistice, die Schäumende – siedelten sich entlang ihrer Ufer verschiedene Gewerke an.

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Die Weißeritz und ihre Mühlen

12 Mühlen sind urkundlich im Bereich der heutigen Brücken Würzburger Straße, Oederaner Straße und Kesselsdorfer Straße am damaligen Weißeritzmühlgraben erwähnt (heute nur noch am Straßenschild zu finden). Dazu gehörten wassergetriebene Manufakturen wie eine Leder- und Tuchwalkmühle, auf deren Hof aus dem Tharandter Forst während der Schneeschmelze heran geflößtes Holz gelagert wurde, eine Pulvermühle, eine Schmelz- und Saigerhütte, ein Hammerwerk zur Metallverarbeitung, Schleif- und Poliermühlen zur Bearbeitung von Marmorplatten und Edelsteinen bzw. zur Herstellung von Spiegeln, eine Papiermühle, Tabakmühle, eine Gewürzmühle, die Nudelmühle und ein Kanonenbohrwerk.

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Kesselsdorfer Straße – das Tor nach Dresden

Löbtau unterstand bis zur Reformation dem Domkapitel Meißen und wuchs stetig. 1559 kam der Ort an das kurfürstliche Amt Dresden und musste 1568 zweiundvierzig Hektar Ackerland an das nun erst neu gegründete Vorwerk (Kammergut) Ostra abgeben. Allerdings versank Löbtau deshalb keinesfalls in Bedeutungslosigkeit. Die damals wichtigste Ausfallstraße Dresdens bleibt seit Beginn des Freiberger Silberbergbaus im 12. Jahrhundert die Kesselsdorfer Straße, damals Freibergische Straße. Sie ist der bedeutendste Handelsweg zwischen Dresden und Süddeutschland.

An der Kreuzung der beiden Achsen Kesselsdorfer Straße und Tharandter Straße, wo heute eine Stehbierkneipe ihr Domizil hat, befand sich bis 1837 das Einnehmerhäuschen vor dem wichtigsten Stadttor Dresdens, dem Wilischen Tor. Eine Holzbrücke führte über die Weißeritz. Erst 1550 erhielt die Brücke steinerne Pfeiler. Von allen Zollstationen Sachsens erzielte sie die höchsten Einnahmen.


Damals fast wie heute

Nicht nur Idylle zeichnet das Bild Löbtaus in den dahin ziehenden Jahrzehnten und Jahrhunderten. Das Leben der Menschen gestaltete sich wie überall hart und entbehrungsreich. Manche Handwerksbetriebe entwickelten sich zu ansehnlichen Manufakturen, andere mussten räumen, um die aufgelaufenen Schulden zu minimieren. Und wo Geld regiert, bleibt Rauben und Morden – wie man im Volksmund zu sagen pflegt – nicht lange aus.

Überliefert ist uns folgendes: Im Jahr 1740 greift Christoph Metzsch aus „Ollersdorf bey Radeberg“ zur Waffe, tötet in Dresden den Barbier und Kammerdiener Johann Gottlieb Streit in dessen Wohnhaus und raubt Schätze und Möbel. Doch er entkommt nicht. Gefangen wird er dem „hochnotpeinlichen Halsgericht“ vorgeführt und am 28. März desselben Jahres, früh halb acht Uhr begleitet von einem „starcken Commando Raths-Wacht … durch die Frauengasse, Schösser- und Wilsche Gasse vor das Wilsdruffer Thor, durch die Freyberger Straße über den hölzernen Weißeritz-Steig zum Gerichtsplatz gezogen – alwo er auf einem aufgebauten Eschauffaut nach vorhero wiederholter abgelegter Beichte vom Leben zum Tode gerichtet …

Der Galgen diente seinem Zweck noch bis ins Jahr 1837 – unweit dieses Platzes wurde das Löbtauer Rathaus 1895 errichtet. In dem im Bombenhagel 1945 verschont gebliebenen kleinerem Nebengebäude mit Türmchen auf der Tharandter Straße befindet sich heute ein Kinder- und Jugendzentrum.


Löbtau entwickelt sich zum Industriestandort

Wie Deutschland insgesamt, veränderte sich auch Löbtau mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. 1857 entstand eine Zementfabrik, 1858 eine Eisengießerei, 1861 eine Ziegelei, 1843 die bekannte Schokoladenfabrik Petzold & Aulhor.

Diese neuen Unternehmen siedelten bevorzugt entlang der Weißeritz. Die übrigen Flächen wurden ab 1860 mit Arbeiterwohnhäusern bebaut. Typisch für Löbtau war und ist das 1875 von Emil Ueberall entworfene rasterförmige Straßennetz und die aufgelockerte Bebauung mit den würfelförmigen Häusern – auch spöttisch „Kaffeemühlen“ oder „Topflappenviertel“ genannt. Bis zur Jahrhundertwende verdrängten die neuen Wohn- und Gewerbeviertel die bisherige Landwirtschaft und Löbtauer Gärtnereien fast völlig. Zum Stadtplanungskonzept HIER >>

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