Bericht | Vereinsfeier

Das Schmuddelwetter jetzt Mitte Dezember macht Vielen zu schaffen. Manchen hat es mit Kopf- und Gliederschmerzen, Husten, Schnupfen und anderem Ungemach ins Bett geworfen.

14. Dezember. Draußen nieselte es leise. Im Stadtteilladen hatten sich die im Moment von Krankheit Verschonten in froher Runde zusammengefunden. Glühwein und Selbstgebackenes standen verlockend bereit. Brigitte Hoppe, Matthias Bromann und Rainer Leschhorn saßen präsidial etwas abseits. Extra Tisch, Manuskripte, das Licht einer Stehlampe. Da schien für uns alle etwas vorbereitet worden zu sein. “Weihnachten für Anfänger und Fortgeschrittene” war der Abend beworben worden. Eingeladen die Mitglieder des Vereins, auch Freunde und Interessierte. Gemeinsam das Jahr ausklingen und überraschen lassen mit heiteren und ernsten Weihnachtsgeschichten. Und gute Musik.

Der Erzählreigen wurde gleich spannend eröffnet. Erwin Strittmatter. Der Weihnachtsmann in der Lumpenkiste: Die Kinder freuen sich auf Geschenke, aber in bangen Gebeten fürchten sie sich vor Knecht Ruprecht. Die resolute Mutter bestellt deshalb das Christkind. Das müsste die Kinder heiter stimmen. Doch die Aktion misslingt gründlich. Also eine andere Geschichte. Es rumpelt auf dem Dach. Es muss Ruprechts Werkstatt sein. Manches deutet darauf hin. Dies und jenes entwickelt sich von Nacht zu Nacht allerdings skurriler. Hunger scheint er zu haben. Erzählt Mutter. Nicht zuletzt sind drei Fischköpfe in der Küche verschwunden … Knecht Ruprecht, wirklich? …

Leise Musik. Ein paar ernste Fragen. Es folgte eine etwas andere Weihnachtsgeschichte.

Ephraim Kishon: „Damit Klarheit herrscht: Geld spielt bei uns keine Rolle, solange wir noch Kredit haben. Die Frage ist, was wir einander zu den vielen Festtagen des Jahres schenken sollen.“ Die nicht unbekannte Fragestellung in langjährigen Beziehungen. Zauberhafte Stehlampen, Fechtausrüstung, persische Wasserpfeife, Schreibtischgarnitur aus carrarischem Marmor. Was schenkt man sich gegenseitig, wenn man bereits alles geschenkt hat. Nichts! Alles gut. Zehn Tage vorm Fest aber bricht die alte Frage doch wieder auf. Bewegung auf dem Bankkonto, ein geheimnisvolles Paket … „Vertrauen gegen Vertrauen.“ Die Katastrophe gewinnt an Fahrt „… kaufte eine kleine chinesische Vase aus der Ming-Periode. Das Schicksal wollte es anders. Warum müssen die Autobusfahrer auch immer so unvermittelt stoppen. Ich versuchte die Scherben zusammenzukleben, aber das klappte nicht recht …

Fröhliches Geplauder. Musik. Lachen. „Selbst gebacken? Hm!“ Wir waren bereits in bester Feierlaune.

Mit Erich Kästner ging es weiter. Interview mit dem Weihnachtsmann: „Es hatte schon wieder geklingelt.“ Dieses Mal der Mann im roten Mantel. Bei einer Tasse Kaffee dann viele Fragen. Der Beruf des Weihnachtsmannes keine einfache Sache. „Es gibt weniger Arbeit als früher … Die falschen Nikoläuse schießen wie Pilze aus dem Boden … haben nicht das mindeste Talent! Es sind Stümper! …“ Dann die berechtigte Frage: „Sie tragen den Bart nur im Winter?“ Es klingelte wieder. Ein Hausierer bat um Almosen. Postkarten als Dank. Verabschiedung. Auch der Weihnachtsmann drängte zeitgleich zum Aufbruch. Später dann eine Überraschung, und noch eine, eine weitere, und wirklich, wieder eine Überraschung …

Auch durfte Loriot an diesem schönen Abend nicht fehlen. Bekanntes. Immer wieder amüsant: „Früher war mehr Lametta …!“ Aufgekratzte Weihnachtsstimmung bei den Hoppenstedts. Irgendwie zwischen Geschenkpapier und Bratenduft. Der Baum soll geschmückt werden, mit Äpfeln dieses Jahr. Ökologischer. „Früher war wirklich mehr Lametta am Baum!“ Opa nervt. Notorisch. “Früher … !” Der mürrische Nachwuchs mault ebenfalls lautstark: “Zicke-Zacke-Hühnerkacke!“ … Irgendwie sind alle auf Frust. Der Familienfrieden kommt so jedenfalls bedrohlich an seine Grenzen. Trotz üppiger Bescherung.

Nach dem Beifall dankte Marlis Goethe offiziell den Vereinsmitgliedern, die neben ihrem obligatorischen Mitgliedsbeitrag im ausklingenden Jahr viel Zeit in das Projekt Stadtteilladen investiert hatten. Ohne dieses Engagement vor Ort könne es den Laden nicht geben. Stellvertretend wurden Rainer Leschhorn und Matthias Bromann für die Sicherung der Öffnungszeiten gewürdigt, zudem Brigitte Hoppe sowie Susanne und Berthold Uhlig für die Gestaltung von Veranstaltungsformaten. Marlis Goethe konnte sich selbst nicht danken, logisch. Unser Beifall galt deshalb allen! Ehrenamtspässe der Stadt Dresden als kleine Geste der Wertschätzung gab es als zusätzlichen Bonus.

Brigitte Hoppe ergriff das Wort mit einem eigenen Gedicht: Heimlichkeiten in Zeiten, in denen man nichts mehr verheimlichen kann. In Zeiten von Internet und Überwachungskameras … ein bisschen Desillusion war zu hören. Man kann eben manche Nebenwirkungen mit Humor einfach besser verdauen. So hatte ich die Zeilen verstanden.

Nun gab es keine Pause mehr für uns. “Tiefgefroren in der Truhe liegt die Gans aus Dänemark. Vorläufig lässt man in Ruhe sie in ihrem weißen Sarg.” Sofort raunte es amüsiert in der Runde: “Heinz Erhardt!“. Lang ist das Lied nicht, schuf aber beste Stimmung für eine Rätselrunde.

Schnell waren Zettel mit den Fragen verteilt. Märchenrätsel. Schwatzen hier und da. Grübeln. Marlis Goethe genoss sichtlich die Freude, uns auf Glatteis führen zu können. “Stolpernde Leichenträger erwecken Scheintote.” “Halbstarker verplempert Privateigentum.” Nein, wirklich? Ein Märchen? “Tierquälerei führt zur Ehe.” Schwarzer Humor grinste aus den Fragen. Ratlose Blicke, sichtbares Nachdenken rundum. “Gelungene Täuschung eines klugen Läufers.” Zehn Märchen sollten wir enttarnen. Während der Auflösung dann großes Hallo und Achja. Ich fand letztlich nur sechzig Prozent. Gerade noch Vier, oder bedeutete das schon glatte Fünf? Mit größeren Wissenslücken war ich offenbar nicht der Einzige.

Der zweite Zettel ging in die Runde: Gebäckrätsel. Nein! “Da bin ich endgültig draußen!” Wirklich! “Abwehrreaktion eines Insekts.” Hej, ich witterte nun doch Chancen! “Altmodischer Straßenbelag.”, “Stirb-nicht-Gebäck.” “Langsames Kriechtier mit Belag”. Jetzt würde der Sieg gelingen! Weiter so, dachte ich. “Unterirdische Gänge.” Mein Höhenflug war wieder zu Ende! Wie gewonnen, so zerronnen. Es setzte spürbar zu. “Kleine Sitzgelegenheit.” Frage Zehn gab uns allen für diesen Tag den Rest. Die Spielmacherin schmunzelte vergnügt. Liebevolle Schadenfreude. Beifall! Aufatmen.

Noch sollte der Abend aber nicht zu Ende sein. Mit einem verschnürten Päckchen im Arm und gewichtiger Miene übernahm Brigitte Hoppe wieder die Führung. Bedeutungsvolle Einleitung, schelmisches Zwinkern, … – und plötzlich zerriss sie entschlossen das Papier. Zum Vorschein kam eine sympathische schwarz-weiße Kuschelkuh. Ein Plüschtier. Oh und Ah ringsum. Die Begeisterung schien wirklich echt zu sein. Brigitte Hoppe übergab uns feierlich das süße Wesen als weiteres Maskottchen für den Verein. “Sie braucht einen Namen!” Es gibt ja schon die Löbeline, ein ähnlich hübsches Tier. Plötzlich entbrannte eine Diskussion, ob nur männliche Kühe Hörner hätten. “Weibliche auch, kürzere!“, wurden wir unterwiesen. Und ob denn das neue Tier nun eine Sie oder ein Er sei. Das Fehlen eines Euters sorgte für kurzes Entsetzen. Einer meinte lakonisch: “Ist halt ein Junge!” Das machte die Stimmung nicht besser – dann aber doch, sprunghaft besser. “Wie soll er heißen?” Brigitte Hoppe versuchte, das Getümmel zu moderieren und verhedderte sich immer wieder zwischen “ihr … – sein …”, “die Kuh – der Kuh, er”, “der”, “sie – er” … “Wir brauchen einen Namen! Wie soll sie, äh, wie soll er heißen?” “Der Kuh.” Heiteres Gelächter ließ den Versuch grandios scheitern. Die Stimmung lief also auf Hochtouren. Und definitiv kein Tropfen Alkohol im Glühwein!

Während ich diesen Bericht schreibe, denke ich: “Der Kuh” sollte Löbfried heißen. Finde ich. Löbeline und Löbfried. Das klingt schön, irgendwie cool! Überraschen lassen!

In fröhlichem Geplauder, Fachsimpeleien zur Schlacht bei Kesselsdorf, über öffentliche Toiletten im früheren Löbtau, Büchersammlungen, Entdeckungen seltener historischer Fotos und Vorfreude auf Kinder und Enkel (Wie kann so ein Mix nur gleichzeitig auf engstem Raum debattiert werden? Mit Lautstärke!) ging der gemeinsame Abend seinem Ende entgegen.

Es war richtig und wichtig gewesen, sich gemeinsam gegen die nieselige Vorweihnachtsstimmung zu stemmen. Danke an Marlis, Brigitte, Rainer und Matthias für die Vorbereitung des Abends! Vorfreude auf das neue Jahr im Stadtteilladen konnten wir auf jeden Fall mit nach Hause nehmen. Frohes Fest allen im Verein! Unseren Nachbarn in Löbtau! Wir wünschen den Erkrankten schnelle Genesung! Nicht zuletzt allen Menschen von Herzen: Friede auf Erden. Endlich!

Text: Lars Uhlmann

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